Dr. Senckenbergische Stiftung

Die Institute - Botanik - Senckenberg Forschungsinstitut und Institut Ökologie, Evolution und Diversität

Ein Ge­wächs­haus so­wie ein bo­ta­ni­scher Gar­ten mit ei­nem Stifts­bo­ta­ni­kus auf dem Stif­tungs­ge­län­de von Jo­hann Chris­ti­an Sen­cken­berg stel­len den his­to­ri­schen Vor­läu­fer der heu­ti­gen Bo­ta­nik Sen­cken­berg dar. Bei der Grün­dung der da­mals sich noch be­zeich­nen­den Sen­cken­ber­gi­schen Na­tur­for­schen­den Ge­sell­schaft (SNG) 1817 war eben die­ser Bo­ta­ni­kus ei­ner der Pa­ten, so wie sich die Ge­sell­schaft selbst 1914 an der Grün­dung der Uni­ver­si­tät be­tei­lig­te und so­wohl ih­re bo­ta­ni­schen (und zoo­lo­gi­schen) Tei­le als auch den ers­ten Pro­fes­sor für Bo­ta­nik ein­brach­te. Nach Jahr­zehn­ten nur lo­ser Ver­knüp­fung wur­de die Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen SNG und Uni­ver­si­tät ab den 1980er Jah­ren wie­der in­ten­si­ver und 1995 mit der Be­ru­fung von Prof. Dr. Ge­org Zizka zum Ko­ope­ra­ti­on­s­pro­fes­sor bei­der Ein­rich­tun­gen wie­der in­sti­tu­tio­na­li­siert. 2010 er­folg­te der Um­zug des Fach­be­reichs Bio­lo­gie und da­mit auch der bo­ta­nisch aus­ge­rich­te­ten Ar­beits­grup­pen an den Cam­pus Ried­berg. An die­sem neu­en Stand­ort ent­steht zur­zeit der „Wis­sen­schafts­gar­ten Ried­berg der Goe­the Uni­ver­si­tät“, ein Bo­ta­ni­scher Gar­ten für Leh­re und For­schung, der eng mit dem Bo­ta­ni­schen Gar­ten an der Sies­may­er­stra­ße und dem Pal­men­gar­ten ko­ope­riert.

Prof. Dr. phil. nat. Georg Zizka, Inhaber der Kooperationsprofessur
Bernd Ro­se­lieb
Prof. Dr. phil. nat. Ge­org Zizka, In­ha­ber der Ko­ope­ra­ti­on­s­pro­fes­sur

„Das wird ei­ne ganz be­son­de­re An­la­ge“, freut sich Prof. Dr. Ge­org Zizka „mit Blick auf den ent­ste­hen­den Wis­sen­schafts­gar­ten und das ein­drucks­vol­le Ge­wächs­haus, des­sen In­ne­res lang­sam For­men an­nimmt. Der Pro­fes­sor des In­sti­tuts für Öko­lo­gie, Evo­lu­ti­on und Di­ver­si­tät am Fach­be­reich Bio­wis­sen­schaf­ten der Goe­the-Uni­ver­si­tät ist froh, nun end­lich mit al­len Kol­le­gen/in­nen des Fach­be­reichs am Ried­berg ei­ne kom­for­ta­b­le Hei­mat ge­fun­den zu ha­ben. „Der na­tur­wis­sen­schaft­li­che Cam­pus er­mög­licht es viel bes­ser als bis­her, inn­er­halb der Bio­wis­sen­schaf­ten und zwi­schen den Fach­be­rei­chen zu ko­ope­rie­ren“. Ziz­kas For­schun­gen hän­gen dann doch wie­der eng mit der Frank­fur­ter In­nen­stadt, näm­lich mit der heu­te sich be­zeich­nen­den Sen­cken­berg Ge­sell­schaft für Na­tur­for­schung, zu­sam­men. Als Ko­ope­ra­ti­on­s­pro­fes­sor ist der Bio­lo­ge so­zu­sa­gen die le­ben­de Schnitt­s­tel­le zwi­schen der Ab­tei­lung „Bo­ta­nik - Sen­cken­berg For­schungs­in­sti­tut mit mo­le­ku­la­rer Evo­lu­ti­ons­for­schung“ des Sen­cken­berg und der Ab­tei­lung „Di­ver­si­tät und Evo­lu­ti­on der Pflan­zen und Pil­ze“ am Uni­ver­si­täts­in­sti­tut für Öko­lo­gie, Evo­lu­ti­on und Di­ver­si­tät mit dem neu­en Wis­sen­schafts­gar­ten. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat sich die Ko­ope­ra­ti­on wei­ter in­ten­si­viert, und es sind wei­te­re Sen­cken­berg und Uni­ver­si­tät ver­bin­den­de Ko­ope­ra­ti­on­s­pro­fes­so­ren hin­zu­ge­kom­men. Im Fach­be­reich Bio­wis­sen­schaf­ten sind es heu­te ins­ge­s­amt neun.

Her­bar mit über ei­ner Mil­li­on Be­le­ge

Ein ganz be­son­de­rer Schatz der Bo­ta­nik bei Sen­cken­berg ist das ‚Her­ba­ri­um Sen­cken­ber­gia­num Frank­furt am Main‘, ei­ne der bes­ten Samm­lun­gen von ge­trock­ne­ten und ge­press­ten Pflan­zen Deut­sch­lands mit in­ter­na­tio­na­ler Be­deu­tung. Ins­ge­s­amt um­fasst die Samm­lung über ei­ne Mil­li­on Be­le­ge, jähr­lich kom­men et­wa 10 000 Samm­lungs­stü­cke („Her­bar­be­le­ge“) hin­zu. Die geo­gra­phi­schen Schwer­punk­te sind Mit­te­l­eu­ro­pa, Afri­ka, Asi­en und Ame­ri­ka. Ur­sprüng­lich geht die­ses Her­ba­ri­um auf die ers­te Grün­dung ei­ner Bo­ta­nik durch Jo­hann Chris­ti­an Sen­cken­berg, im 18. Jahr­hun­dert Stadt­arzt in Frank­furt, zu­rück. „Wir sind stolz, in ge­wis­ser Wei­se die Tra­di­ti­on Sen­cken­bergs fort­füh­ren zu kön­nen“, zeigt Prof. Zizka sich dem Grün­der ver­bun­den. „Jo­hann Chris­ti­an Sen­cken­berg hat­te gro­ßes In­ter­es­se an der Pflan­zen­welt, führ­te ge­mein­sam mit sei­nem Va­ter Jo­hann Hart­mann ei­ne In­ven­ta­ri­sie­rung der Flo­ra von Frank­furt durch, die als „Flo­ra Mo­e­no-Fran­co­furt­a­na“ lan­ge nach bei­der Tod ver­öf­f­ent­licht wur­de.“

Al­ler­dings war für Sen­cken­berg die Bo­ta­nik vor al­lem ei­ne Hilfs­wis­sen­schaft im Di­ens­te der Ge­sund­heits­ver­sor­gung ge­we­sen. „Er hat da­bei nicht so grund­sätz­lich über den Zu­sam­men­hang des Le­bens nach­ge­dacht, wie das für uns heu­te selbst­ver­ständ­lich ist“, er­läu­tert Prof. Zizka. „Das war aber auch ei­ne ganz an­de­re Zeit. So exis­tier­ten et­wa die Dar­win­schen The­o­ri­en zur Evo­lu­ti­on noch nicht.“ So wie schon Sen­cken­berg und die nach­fol­gen­den Bo­ta­ni­ker der SNG bzw. SGN die re­gio­na­le Pflan­zen­viel­falt un­ter­such­ten und do­ku­men­tier­ten, ist die Bio­di­ver­si­tät der Re­gi­on und ih­re Ve­r­än­de­rung auch heu­te ein Ar­beits­ge­biet des Teams von Prof. Zizka. Bei­spiels­wei­se führ­ten sie die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Un­ter­su­chun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Aus­bau des Frank­fur­ter Flug­ha­fens und der Be­bau­ung der Gleis­flächen von Haupt- und Gü­ter­bahn­hof durch. Seit 1985 führt die Ab­tei­lung im Auf­trag der Stadt Frank­furt ei­ne flächen­de­cken­de Kar­tie­rung der Bio­t­o­p­ty­pen im Stadt­ge­biet durch, ver­folgt die Ver­b­rei­tung und Ent­wick­lung von Pflan­zen- und Tier­ar­ten („Moni­to­ring“).

Im Mit­tel­punkt ste­hen da­bei im­mer auch Fra­gen des mo­der­nen Na­tur­schut­zes. „Nur was wir ken­nen, kön­nen wir schüt­zen, er­hal­ten und auch nach­hal­tig nut­zen. Wir wol­len wis­sen, wel­che Fol­gen wir mit un­se­ren Ein­grif­fen er­zeu­gen. Wir ler­nen im­mer mehr die Be­deu­tung vie­ler Pflan­zen­flächen un­se­res Le­bens­raums schät­zen, wie den Wald­bau oder die Feucht­ge­bie­te für das Gan­ze.“ Ziel sei es zu ler­nen, die in ur­ba­nen Räu­men wie dem Rhein-Main-Ge­biet un­ter­schied­li­chen Nut­zun­gen mög­lichst na­tur­ver­träg­lich un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. „Wir freu­en uns, wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen für die Stadt­pla­nung und den Na­tur­schutz lie­fern zu kön­nen, set­zen da­mit qua­si die bo­ta­ni­schen Ar­bei­ten von Jo­hann Chris­ti­an Sen­cken­berg fort.“

Wech­sel­be­zie­hun­gen zwi­schen Or­ga­nis­men und ih­rer Um­welt

Grund­la­gen­for­schung wird nun am brand­neu­en Cam­pus Ried­berg be­trie­ben mit sei­nen großz­ü­g­i­gen An­la­gen, dem Bio­zen­trum und dem neu­en Bio­lo­gi­cum, Heim­statt für die drei In­sti­tu­te des Fach­be­reichs, von de­nen das In­sti­tut für Öko­lo­gie, Evo­lu­ti­on und Di­ver­si­tät mit sei­ner or­ga­nis­mus- und le­bens­rau­m­o­ri­en­tier­ten For­schung die engs­ten Be­zie­hun­gen zur „klas­si­schen“ Bo­ta­nik und Zoo­lo­gie hat. Ein sehr wich­ti­ger For­schungs­schwer­punkt ist die Bio­di­ver­si­tät, ins­be­son­de­re die Wech­sel­be­zie­hung zwi­schen Or­ga­nis­men und ih­rer Um­welt. Tie­re, Pflan­zen und Le­bens­ge­mein­schaf­ten wer­den im La­bor und im Feld un­ter­sucht. Im Blick­punkt da­bei ste­hen auch Fra­gen der Evo­lu­ti­on des Men­schen so­wie der Um­welt­be­las­tung. Die Pflan­zen bil­den den Schwer­punkt der völ­lig neu­en Gar­ten­an­la­ge, dem Wis­sen­schafts­gar­ten der Goe­the-Uni­ver­si­tät im süd­li­chen Be­reich des Cam­pus Ried­berg.

Es ist nun der vier­te aus dem Sen­cken­ber­gia­num im Ver­lau­fe der Jahr­hun­der­te ent­stan­de­ne Bo­ta­ni­sche Gar­ten (der „Drit­te“ an der Sies­may­er­stra­ße wird seit dem 1.1.2012 vom Pal­men­gar­ten und da­mit der Stadt Frank­furt wei­ter­ge­führt). Der Wis­sen­schafts­gar­ten Ried­berg di­ent der Leh­re und For­schung der na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Fach­be­rei­che der Goe­the-Uni­ver­si­tät und wird sich dar­über hin­aus nach Ziz­kas Über­zeu­gung in we­ni­gen Jah­ren zu ei­ner At­trak­ti­on für Uni­ver­si­tät­söf­f­ent­lich­keit und An­woh­ner ent­wi­ckeln. An­ge­legt wur­de der Gar­ten 2011, die Bepfl­an­zung be­gann 2012, und nun wird er Schritt für Schritt bis zu sei­nem ge­sam­ten vor­ge­se­he­nen Um­fang von fünf Hektar fer­tig­ge­s­tellt. Be­reits jetzt fin­det sich ei­ne gro­ße Ar­ten­viel­falt, die mit Arzn­ei­mit­telpflan­zen die sen­cken­ber­gi­sche Tra­di­ti­on auf­nimmt und sie mit mo­der­nen For­schun­gen, et­wa ei­nes Pilz­schwer­punk­tes, ver­bin­det. „Hier fin­den sie den Ju­das­baum, den es ge­n­au­so wie den hier wach­sen­den Ri­zi­nus auch im Gar­ten des Sen­cken­ber­gian­ums gab.“

Der Wissenschaftsgarten am Campus Riedberg
Bernd Ro­se­lieb
Der Wis­sen­schafts­gar­ten am Cam­pus Ried­berg

Auch heu­te noch dem Stif­ter na­he

Blick­fang zwi­schen Gar­ten und In­sti­tuts­ge­bäu­de ist das ein­drucks­vol­le Ge­wächs­haus. „Es be­steht aus drei un­ter­schied­lich gro­ßen Be­rei­chen, um gro­ßen und klei­nen Pflan­zen in sehr ver­schie­de­nen Be­din­gun­gen Raum zu bie­ten.“ Die Ar­chi­tek­tur er­in­nert an drei qu­er ne­ben­ein­an­der lie­gen­de glä­s­er­ne Ton­nen, die in­nen ver­bun­den sind. In ih­nen herr­schen be­son­de­re kli­ma­ti­sche Be­din­gun­gen, so dass hier so­wohl feuch­tig­keits­be­dürf­ti­ge Ama­zonaspflan­zen als auch Wüsten­pflanzen die für sie er­for­der­li­chen Kul­tur­be­din­gun­gen fin­den. „Auch mit die­ser hoch­mo­der­nen An­la­ge sind wir dem Stif­ter na­he. Im al­le­r­ers­ten Ge­wächs­haus am Eschen­hei­mer Turm gab es eben­falls drei Ab­tei­lun­gen“, freut sich Prof. Zizka. Ei­ne be­son­de­re Nähe emp­fin­den er und sei­ne Kol­le­gen am Her­bar zur Dr. Sen­cken­ber­gi­schen Stif­tung, die auch die Bo­ta­nik un­ter­stützt. „Ich bin froh, dass es in die­ser Stadt die Dr. Sen­cken­ber­gi­sche Stif­tung und die SGN gibt und bei­de eng zu­sam­men­ar­bei­ten. Das hilft in der Zu­kunft, un­se­re für die Le­bens­räu­me der Men­schen wich­ti­ge Ar­beit fort­zu­set­zen.“