Dr. Senckenbergische Stiftung

Die Institute - Bürgerhospital Frankfurt am Main

Das Bür­ger­ho­spi­tal ent­stand 1771 als Herz ei­ner um­fang­rei­chen Stif­tung des Frank­fur­ter Stadt­arz­tes Jo­hann Chris­ti­an Sen­cken­berg. Auf dem Stif­tungs­ge­län­de südöst­lich des Eschen­hei­mer Tors er­rich­te­te er ei­ne Art me­di­zi­ni­sche Fa­kul­tät mit Arzn­ei­mit­tel­gar­ten und dem Thea­trum Ana­to­mi­cum, ei­ner Bi­b­lio­thek und dem Kran­ken­haus. 1907 er­folg­te der Um­zug an den heu­ti­gen Stand­ort, die Ni­be­lun­ge­n­al­lee. Im­mer wie­der wur­de das Haus von gro­ßen wirt­schaft­li­chen Kri­sen in sei­ner Exis­tenz be­droht. Heu­te ist es wirt­schaft­lich ge­sund, fu­sio­nier­te im Jahr 2009 mit dem Cle­men­ti­ne Kin­der­hos­pi­tal der Dr. Christ'sche Stif­tung und baut durch die Ko­ope­ra­ti­ons­ge­spräche mit an­de­ren Frank­fur­ter Kran­ken­haus­trä­gern sei­ne fach­li­che Kom­pe­tenz und wirt­schaft­li­che Sta­bi­li­tät wei­ter aus.

Dr. med. Kosta Schopow, Vorsitzender des Vereins Bürgerhospital
Bernd Ro­se­lieb
Dr. med. Kos­ta Scho­pow, Vor­sit­zen­der des Ve­r­eins Bür­ger­ho­spi­tal

Die Grün­dung durch Sen­cken­berg

Dr. med. Kos­ta Scho­pow, der Vor­sit­zen­de des Vor­stan­des des Ve­r­eins Bür­ger­ho­spi­tal Frank­furt am Main und der Ad­mi­ni­s­t­ra­ti­on der Dr. Sen­cken­ber­gi­schen Stif­tung so­wie des Auf­sichts­ra­tes der Bür­ger­ho­spi­tal und Cle­men­ti­ne Kin­der­hos­pi­tal gGmbH ver­mu­tet, dass vor al­lem Sen­cken­bergs dra­ma­ti­sche Fa­mi­li­en­ge­schich­te, bei der er drei Ehe­frau­en und zwei Kin­der früh ver­lo­ren hat, und die da­mit ver­bun­de­ne Ohn­macht ge­gen­über dem mi­se­ra­b­len Zu­stand des Ge­sund­heits­we­sens die wich­tigs­ten Mo­ti­ve für die Stif­tungs­grün­dung und den Bau des Bür­ger­ho­spi­tals wa­ren. Die Ge­sund­heits­ver­sor­gung sei­ner Zeit war in ei­nem sehr sch­lech­ten Zu­stand. Das be­reits zu Sen­cken­bergs Zei­ten tra­di­ti­ons­rei­che Ho­spi­tal zum hei­li­gen Geist war in der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts gänz­lich den in die Stadt kom­men­den Mes­se­be­su­chern und den ar­men Ta­ge­löh­nern vor­be­hal­ten. Die Frank­fur­ter Bür­ger und der nie­de­re Stand der Bey­sas­sen soll­ten nach dem Wil­len der Stadt zu Hau­se gepf­legt und von Ärz­ten be­han­delt wer­den, was na­tür­lich nur für die Wohl­ha­ben­den er­schwing­lich war.

Hier setz­te Sen­cken­berg an und grün­de­te ein Bür­ger- und Bey­sas­sen­kran­ken­haus. An­ders als die an­de­ren Kran­ken­häu­ser die­ser Zeit soll­te es kei­ne Pfor­te des To­des sein, son­dern ein Tor zum Le­ben. Ärz­ten wur­de in den Ar­beits­ver­trag die Pf­licht ge­schrie­ben, den Pa­ti­en­ten die ver­lo­re­ne Ge­sund­heit wie­der her­zu­stel­len und dem Pf­le­ge­per­so­nal auf­ge­tra­gen, ei­ne ver­trau­ens­vol­le Be­zie­hung zu den Men­schen in ih­rer Ob­hut auf­zu­bau­en. Au­ßer­dem ver­such­te Sen­cken­berg mög­lichst sch­nell, die mi­se­ra­b­len hy­gie­ni­schen Be­din­gun­gen, die in der da­ma­li­gen Zeit ei­ne der häu­figs­ten To­de­s­ur­sa­chen wa­ren, zu be­kämp­fen. Sch­nell stell­ten sich im neu­en Bür­ger­ho­spi­tal Er­fol­ge ein. Be­reits im ers­ten Jahr konn­te fast ein Drit­tel al­ler Pa­ti­en­ten sen­sa­tio­nel­ler­wei­se das Haus auf ei­ge­nen Fü­ß­en und ge­ne­sen wie­der ver­las­sen.

Sen­cken­berg er­leb­te dies nicht mehr. Nur we­ni­ge Wo­chen vor der Er­öff­nung des Bür­ger­ho­spi­tals stürz­te er vom Ge­rüst des Neu­baus und starb. Sein am­bi­tio­nier­tes Werk aber, der Tem­pel der Wis­sen­schaft für die Stadt Frank­furt mit dem Kran­ken­haus als Herz­stück, ent­wi­ckel­te sich ganz in sei­nem Sin­ne. Heu­te ist das Bür­ger­ho­spi­tal trotz der wirt­schaft­lich so schwie­ri­gen Be­din­gun­gen auf dem Kran­ken­haus­markt kern­ge­sund und in ei­ner ste­tig po­si­ti­ven Ent­wick­lung.

Das Leis­tungs­spek­trum des Bür­ger­ho­spi­tals heu­te

Heu­te kom­men die Men­schen von weit her, um auf der Ent­bin­dungs­sta­ti­on des Bür­ger­ho­spi­tals ih­re Kin­der zu be­kom­men. So wur­de das Haus in den letz­ten Jah­ren zur ge­bur­ten­stärks­ten Kli­nik in Hes­sen. In nur we­ni­gen Kran­ken­häu­s­ern in Deutsch­land kom­men mehr Kin­der zur Welt. Dies be­ruht na­tür­lich auch auf den äu­ßerst pro­fi­lier­ten An­ge­bo­ten wie der Prä­na­tal­diag­nos­tik, der Neo­na­to­lo­gie,

der Kin­der­chir­ur­gie, der kin­der­o­ri­en­tier­ten Zwei­ge der Au­gen­k­li­nik und der Dia­be­to­lo­gie, die bei­de in der Er­wach­se­nen­me­di­zin oh­ne­hin ei­nen her­aus­ra­gen­den Ruf ge­nie­ßen. So­wohl die Schild­drü­sen­chir­ur­gie als auch die Chir­ur­gie von Bauch und Darm wur­den hochran­gig zer­ti­fi­ziert. Ei­nen Na­men ge­macht hat sich zu­dem weit über die Stadt hin­aus die Pne­u­mo­lo­gie. "Ganz be­son­ders ha­ben wir dem Stif­ter­wil­len aber oh­ne Zwei­fel mit der Grün­dung der Kli­nik für Ab­hän­gig­keits­er­kran­kun­gen vor 16 Jah­ren ent­spro­chen", er­in­nert sich Scho­pow da­ran, dass vor al­lem die Über­zeu­gung Sen­cken­bergs die Ad­mi­ni­s­t­ra­to­ren der Stif­tung da­zu ge­lei­tet hat, die An­ge­bo­te des Bür­ger­ho­spi­tals um die Sucht­me­di­zin zu er­wei­tern. Dar­aus ge­wor­den sind ei­ne Er­folgs­ge­schich­te und ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che psy­ch­ia­tri­sche und me­di­zi­ni­sche Kom­pe­tenz, die aus Frank­furt nicht mehr weg zu den­ken sind und der Dr. Sen­cken­ber­gi­schen Stif­tung ganz be­son­ders am Her­zen lie­gen.

Ko­ope­ra­tio­nen zur Zu­kunfts­si­che­rung

Der Ad­mi­ni­s­t­ra­ti­ons­vor­sit­zen­de ver­weist fer­ner auf die zahl­reich ab­ge­sch­los­se­nen Ko­ope­ra­tio­nen, die der Stif­ter un­se­res Kran­ken­hau­ses si­cher­lich un­ter­stützt hät­te und die mit zur Zu­kunfts­si­che­rung und zur Stär­kung der Markt­po­si­ti­on des Bür­ger­ho­spi­tals bei­tra­gen. Des­halb sieht Scho­pow für das Bür­ger­ho­spi­tal zu­ver­sicht­lich in die Zu­kunft.

Seit fast 30 Jah­ren sch­rei­be das Haus schwar­ze Zah­len und in die­ser Zeit muss­te auch kein Per­so­nal ab­ge­baut wer­den. "Es ist uns so­gar ge­lun­gen, das Leis­tungs­spek­trum stän­dig zu ver­bes­sern und zu er­wei­tern und al­le Ab­läu­fe für die Pa­ti­en­ten im­mer an­ge­neh­mer zu ge­stal­ten." Die so er­ar­bei­te­te Aus­nah­me­stel­lung im Rhein-Main-Ge­biet müs­se nun un­be­dingt ge­hal­ten wer­den. Da­für sei­en en­ge Ko­ope­ra­tio­nen ein ad­äqua­tes Mit­tel, denn es ge­he im­mer dar­um, ein gut funk­tio­nie­ren­des und lang­fris­tig nicht de­fi­zi­tä­res Kran­ken­haus zu si­chern.

"Auch von der Po­li­tik krie­gen wir viel Lob für un­se­re zu­kunfts­ge­rich­te­te St­ra­te­gie. Wir sei­en ein Vor­bild, wie es ge­hen könn­te. Das heißt aber nicht", so Scho­pow "dass wir da­für auch ei­ne be­son­de­re Un­ter­stüt­zung er­fah­ren wür­den. Im Sin­ne der flächen­de­ckend drin­gend er­for­der­li­chen struk­tu­rel­len Ve­r­än­de­run­gen müss­ten ent­sp­re­chend ei­nem Bo­nus-Ma­lus-Sys­tem ak­ti­ve Häu­ser bei der Ver­tei­lung der oh­ne­hin knap­pen Mit­tel bes­ser be­rück­sich­tigt wer­den." Auch Sen­cken­berg hät­te si­cher ge­wollt, dass die ge­för­dert wer­den, die im Sin­ne ei­ner bes­se­ren Ge­sund­heits­ver­sor­gung ih­re Haus­auf­ga­ben ma­chen, an­statt die Mit­tel mit der Gieß­kan­ne auf al­le zu ver­tei­len.

Das Bürgerhospital Frankfurt am Main
 
Das Bür­ger­ho­spi­tal Frank­furt am Main

Mit den ak­tu­el­len Ko­ope­ra­tio­nen sei si­cher noch nicht das En­de er­reicht. Die ge­lun­ge­ne Zu­sam­men­ar­beit mit dem Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kum z. B. bei der Kin­der­me­di­zin wür­den um an­de­re Fach­ge­bie­te er­wei­tert. "Durch die Nähe zu st­ra­te­gisch gut auf­ge­s­tell­ten Part­nern ge­ben wir an­de­ren ein Bei­spiel, wie es wei­ter ge­hen könn­te und ma­chen ih­nen Mut. Wir sind noch nicht am En­de. Ganz im Sin­ne un­se­res Grün­ders emp­fan­gen wir al­le mit of­fe­nen Ar­men."