Dr. Senckenbergische Stiftung

Die Institute - Dr. Senckenbergisches Institut für Neuroonkologie

Die Dr. Sen­cken­ber­gi­sche Stif­tung grün­de­te mit Wir­kung vom 1. Ja­nuar 2008 ge­mein­sam mit der Ge­mein­nüt­zi­gen Her­tie-Stif­tung und mit Un­ter­stüt­zung des Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kums und des Fach­be­reichs Me­di­zin der Jo­hann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si­tät das Dr. Sen­cken­ber­gi­sche In­sti­tut für Neu­roon­ko­lo­gie. Als Lei­ter für Neu­roon­ko­lo­gie wur­de Prof. Dr. Joa­chim Stein­bach be­ru­fen. Die In­sti­tuts­räu­me be­fin­den sich im Haus 95, dem Neu­ro­zen­trum des Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kums. In un­mit­tel­ba­rer Nähe im Neu­ro­s­ci­en­ce Cen­ter ist das For­schungs­la­bor des In­sti­tuts un­ter­ge­bracht. Eng ein­ge­bun­den ist das In­sti­tut im Uni­ver­si­tä­ren Cen­trum für Tu­mo­r­er­kran­kun­gen (UCT).

Ver­ges­sen im Me­di­zin­be­trieb

Das Dr. Sen­cken­ber­gi­sche In­sti­tut für Neu­roon­ko­lo­gie hat­te bei sei­ner Grün­dung ei­ne durch­aus ähn­li­che Aus­gangs­si­tua­ti­on, wie Jo­hann Chris­ti­an Sen­cken­berg vor 250 Jah­ren. „Uns wie ihm geht es um Pa­ti­en­ten, die vom all­ge­mei­nen Ge­sund­heits­we­sen we­nig Hil­fe zu er­war­ten ha­ben“, schil­dert Prof. Stein­bach, der In­sti­tuts­lei­ter die Ver­bin­dung. „Der da­ma­li­ge Frank­fur­ter Stadt­arzt gab durch sei­ne Stif­tung sehr er­folg­reich den An­stoß für ei­ne bes­se­re Ver­sor­gung de­rer, die fast im­mer an ih­ren Krank­hei­ten ge­s­tor­ben sind. Auch wir wol­len all das heu­te leis­ten für die Men­schen, die an Ge­hirn­tu­mo­ren er­kran­ken.“

2008 als Teil des Fach­be­reichs Me­di­zin und des Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kums ge­grün­det, konn­te mit dem neu­en In­sti­tut als Ne­xus end­lich die Ex­per­ti­se al­ler für die Be­hand­lung von Hirn­tu­mor­pa­ti­en­ten not­wen­di­gen Fach­dis­zi­p­li­nen in ei­nem Zen­trum ge­bün­delt wer­den.

„Bis da­hin fehl­ten flächen­de­ckend Struk­tu­ren zur Be­hand­lung die­ser so schwer be­trof­fe­nen Pa­ti­en­ten“, er­läu­tert Stein­bach. „Für sie be­nö­t­igt man sehr viel mehr Zeit, als in Fach­k­li­ni­ken nor­ma­ler­wei­se ver­füg­bar ist. Hirn­tu­mor­pa­ti­en­ten ge­hen da­her häu­fig un­ter, wenn sie mit an­de­ren on­ko­lo­gi­schen Pa­ti­en­ten zu­sam­men in Schwer­punkt­pra­xen und Kli­ni­ken be­han­delt wer­den.“ Hirn­tu­mor­pa­ti­en­ten sei­en viel­fach neu­ro­lo­gisch schwer ein­ge­schränkt, müss­ten oft mo­to­ri­sche De­fi­zi­te und Sprach- oder Ge­dächt­nis­stör­un­gen er­tra­gen. „Au­ßer­dem sind sie häu­fig für die ih­nen Na­he­ste­hen­den von schwer be­las­ten­den Per­sön­lich­keits­ve­r­än­de­run­gen be­trof­fen. Die meis­ten Ein­rich­tun­gen sind nicht aus­ge­stat­tet, dem zu be­geg­nen“, so Prof. Stein­bach.

Die Suche nach der zweiten Meinung: Ilka Busch aus der Wetterau bei Prof. Steinbach und Anna Hirschberg, Krankenschwester und study nurse
Bernd Ro­se­lieb
Die Su­che nach der zwei­ten Mei­nung: Il­ka Busch aus der Wet­terau bei
Prof. Stein­bach und An­na Hirsch­berg, Kran­ken­schwes­ter und stu­dy nur­se

Aus­sch­ließ­lich der Be­t­reu­ung die­ser Pa­ti­en­ten ist das In­sti­tut ge­wid­met. Vier Fach­ärz­te ein­sch­ließ­lich der Ober­ärz­tin Dr. K. Franz aus der Neu­ro­chir­ur­gie, die auch als stell­ver­t­re­ten­de In­sti­tuts­lei­te­rin fun­giert, ver­sor­gen in­ter­dis­zi­p­li­när ei­ne ste­tig wach­sen­de Zahl am­bu­lan­ter Pa­ti­en­ten. „Auch die ge­mein­sam mit der Kli­nik für Neu­ro­chir­ur­gie be­trie­be­ne in­ter­dis­zi­p­li­nä­re Schwer­punkt­sta­ti­on 95-4 mit ins­ge­s­amt 20 Bet­ten ist ein ab­so­lu­tes Al­lein­stel­lungs­merk­mal“, be­rich­tet Prof. Stein­bach, „un­ser In­sti­tut hat durch­aus Mo­dell­cha­rak­ter.“ Dies auch, weil es zen­tral ein­ge­bun­den ist in das ‚U­ni­ver­si­tä­re Cen­trum für Tu­mo­r­er­kran­kun­gen‘ (UCT Frank­furt). Als ei­nes von elf na­tio­na­len Spit­zen­zen­t­ren wird das UCT von der Deut­schen Krebs­hil­fe jähr­lich mit drei Mil­lio­nen Eu­ro ge­för­dert und ist auch beim größ­ten on­ko­lo­gi­schen Ver­bund­pro­jekt in Deutsch­land, dem Deut­schen Kon­sor­ti­um für trans­na­tio­na­le Krebs­for­schung be­tei­ligt, bei dem bös­ar­ti­ge Hirn­tu­mo­re ei­nen von drei For­schungs­schwer­punk­ten dar­s­tel­len. „End­lich zeich­nen sich spür-

ba­re Fort­schrit­te bei der Be­hand­lung die­ser bis­her häu­fig schick­sal­haft ver­lau­fen­den Er­kran­kun­gen ab“.

En­ge Part­ner­schaft mit al­len re­le­van­ten Dis­zi­p­li­nen

Be­son­ders wich­tig ist Stein­bach die Part­ner­schaft zu al­len an­de­ren re­le­van­ten Fächern. „Es ist auch sc­hön “, freut sich Prof. Stein­bach, „dass wir so gut in die Dr. Sen­cken­ber­gi­sche Stif­tung in­te­griert sind. Wir ar­bei­ten ger­ne mit an­de­ren In­sti­tu­ten zu­sam­men, die ih­re Wur­zeln bei Sen­cken­berg ha­ben, wie et­wa der Pa­tho­lo­gie und der Chro­no­me­di­zin.

Prof. Dr. med. Joachim Steinbach und sein Team, Privat-Dozent Dr. med. Johannes Rieger und Dr. med. Oliver Bähr, leisten Detektivarbeit
Bernd Ro­se­lieb
Prof. Dr. med. Joa­chim Stein­bach und sein Team, Pri­vat-Do­zent Dr.
med. Jo­han­nes Rie­ger und Dr. med. Oli­ver Bähr, leis­ten De­tek­tiv­ar­beit

Am bes­ten kommt die in­ter­dis­zi­p­li­nä­re Ar­beits­wei­se bei der wöchent­li­chen Hirn­tu­mor­kon­fe­renz des Hirn­tu­mor­zen­trums des UCT zum Aus­druck. In­zwi­schen wer­den jähr­lich et­wa 1000 ge­mein­sam ab­ge­stimm­te The­ra­pie­emp­feh­lun­gen er­ar­bei­tet. „Da­durch“, so Stein­bach, „ha­ben die Pa­ti­en­ten die Ge­wiss­heit, dass Aspek­te aus al­len Dis­zi­p­li­nen be­rück­sich­tigt wer­den, und sie ei­ne in­ter­dis­zi­p­li­när ab­ge­stimm­te Emp­feh­lung aus ei­ner Hand er­hal­ten. In zu­neh­men­dem Um­fang wer­den auch ex­ter­ne An­fra­gen und Bit­ten um Zweit­mei­nun­gen in der Kon­fe­renz be­ar­bei­tet.

Sen­cken­berg sehr na­he

Prof. Stein­bach sieht sich da­bei Sen­cken­berg durch­aus na­he. „Ge­kenn­zeich­net durch gro­ße Ver­lus­ter­leb­nis­se auf­grund des frühen To­des drei­er Ehe­frau­en und zwei­er Kin­der hat er früh er­kannt, wie eng die wis­sen­schaft­li­che For­schung und die Ver­sor­gung im Ge­sund­heits­we­sen zu­sam­men­ge­hö­ren. Vie­le Er­kran­kun­gen der Men­schen, die zu uns kom­men, ver­lau­fen auch heu­te noch, zu Be­ginn des 21. Jahr­hun­derts, schick­sal­haft. Auch un­or­tho­do­xe An­sät­ze sind in die­ser Si­tua­ti­on in­ter­es­sant. „Wir bau­en zwar nicht mehr auf Maiglöck­chen wie einst Sen­cken­berg, Na­tur­stof­fe und de­ren De­ri­va­te kön­nen aber po­ten­te Wirk­stof­fe dar­s­tel­len. Der­zeit un­ter­su­chen wir z.B. die Wir­kung ei­ner aus der Bir­kenrin­de stam­men­den Ver­bin­dung, die Tu­mor­zel­len spe­zi­fisch ge­gen­über ei­nem be­stimm­ten Typ des Zell­to­des zu sen­si­bi­li­sie­ren scheint.

Hil­f­reich war die Ver­bin­dung zur Dr. Sen­cken­ber­gi­schen Stif­tung und der Ge­mein­nüt­zi­gen Her­tie-Stif­tung si­cher­lich auch hin­sicht­lich der rä­um­li­chen Zu­kunft des zur­zeit noch in ei­nem Con­tai­ner vor Haus 95 un­ter­ge­brach­ten neu­roon­ko­lo­gi­schen In­sti­tuts. „Die kon­ti­nu­ier­li­che För­de­rung durch die Stif­tun­gen und der Mo­dell­cha­rak­ter des In­sti­tuts wa­ren wich­ti­ge Ar­gu­men­te bei der Ent­schei­dung des Kli­ni­kums­vor­stands, die Neu­roon­ko­lo­gie in den Neu­bau des Neu­ro­zen­trums in den süd­li­chen An­bau­ten hin­ter dem Haupt­ge­bäu­de des Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kums zu in­te­grie­ren“, freut sich Prof. Stein­bach und zeigt die Plä­ne des Ar­chi­tek­ten. „Hier ent­steht ein auch rä­um­lich mo­der­nes Zen­trum, in dem al­le Part­ner be­nach­bart ar­bei­ten wer­den, die für un­se­re Pa­ti­en­ten nö­t­ig sind.“