Dr. Senckenbergische Stiftung

Die Institute - Dr. Senckenbergisches Institut für Pathologie

1763 grün­de­te Jo­hann Chris­ti­an Sen­cken­berg auf sei­nem Stif­tungs­ge­län­de das Thea­trum Ana­to­mi­cum. Dar­aus ent­stan­den die Ana­to­mie, die Rechts­me­di­zin und die Pa­tho­lo­gie. Nach sei­nem töd­li­chen Sturz vom Bau­ge­rüst des be­nach­bar­ten Bür­ger­ho­spi­tals muss­te er als ers­ter dort ge­öff­net wer­den, um die tat­säch­li­che To­de­s­ur­sa­che zu er­mit­teln. Die Pa­tho­lo­gie war ei­nes der In­sti­tu­te, die von der Dr. Sen­cken­ber­gi­schen Stif­tung bei der Grün­dung der Uni­ver­si­tät 1914 ein­ge­bracht wur­den. Heu­te ge­hört sie zum Fach­be­reich Me­di­zin der Jo­hann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si­tät.

Kom­pe­tenz und Hoch­leis­tungs­tech­no­lo­gie

For­schung auf höchs­tem Ni­veau ist das Mar­ken­zei­chen des Dr. Sen­cken­ber­gi­schen In­sti­tuts für Pa­tho­lo­gie. Es ist ei­ne vor al­lem für den Lai­en un­vor­s­tell­ba­re Fer­tig­keit in der Welt der B-Zel­len, der T-Zel­len und der bös­ar­ti­gen Er­kran­kun­gen für Klar­heit und Hei­lung zu sor­gen. „Wir wa­ren die al­le­r­ers­ten“, freut sich In­sti­tuts­chef Prof. Dr. Dr. h.c. Mar­tin-Leo Hans­mann, „de­nen es ge­lun­gen ist, die Protei­ne ein­zel­ner Zel­len durch ei­ne spe­zi­el­le Tech­nik im Rea­genz­glas zu iso­lie­ren und so viel kla­rer zu se­hen.“ So kön­nen für die Be­kämp­fung der bös­ar­ti­gen Kreb­s­er­kran­kun­gen wert­vol­le Er­kennt­nis­se ge­won­nen wer­den. „Wir kön­nen Ge­ne des Im­mun­sys­tems in Vi­ren ver­pa­cken und be­o­b­ach­ten, was das Gen tut. Es wird dann an­hand ei­nes ma­the­ma­ti­schen Mo­dells mit ei­nem hin­ter­leg­ten Mus­ter al­ler men­sch­li­chen Ge­ne ab­ge­g­li­chen. Die Ab­wei­chun­gen zei­gen uns, wo Auf­fäl­lig­kei­ten sein könn­ten. Das al­les geht nicht oh­ne Hoch­leis­tungs-Tech­no­lo­gie, mit der die Frank­fur­ter Pa­tho­lo­gen im Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kum aus­ge­stat­tet sind. So ge­lingt es ih­nen bei­spiels­wei­se mit ei­ner ser­ver­ge­stütz­ten An­la­ge ganz spe­zi­el­le Tu­mo­ren zu ent­de­cken, in­dem sie An­ti­kör­per auf die Spur von An­ti­ge­nen set­zen. Vor al­lem aber be­nö­t­i­gen die For­scher ei­ne ho­he Fach­kom­pe­tenz und in­ten­si­ve Be­ruf­s­er­fah­rung.

Mit Da­ten­ban­ken welt­weit ver­netzt

„Auf un­se­ren Spe­zial­ge­bie­ten ‚Lymph­k­no­ten‘ und ‚Im­mun­sys­tem‘ sind wir Vor­rei­ter. Wir ha­ben die welt­wei­te Ex­per­ti­se, die wir in kli­ni­schen Vi­deo­kon­fe­ren­zen re­gel­mä­ß­ig an­de­ren Zen­t­ren in­ter­na­tio­nal zur Ver­fü­gung stel­len.“ In die­sen Kon­fe­ren­zen wer­den Präpa­ra­te ge­zeigt und dis­ku­tiert und vor al­lem neu­es­te Er­kennt­nis­se aus­ge­tauscht. Zu­dem sind die Da­ten­ban­ken der Spe­zia­lis­ten welt­weit ver­netzt, so dass Rät­sel nur ein­mal ge­löst wer­den müs­sen und vie­le Pa­ti­en­ten schnel­ler Hil­fe er­hal­ten. Auch uni­ver­si­täts­in­tern för­dert ei­ne zu­neh­men­de Ver­net­zung den Er­folg der Ar­beit für die Pa­ti­en­ten. Als Teil des Uni­ver­si­tä­ren Tu­mor Cen­trums (UCT) kön­nen Prof. Hans­mann und sein Team Brü­cken zu al­len an­de­ren re­le­van­ten Dis­zi­p­li­nen der Tu­mor­be­kämp­fung, wie et­wa der Dr. Sen­cken­ber­gi­schen Neu­roon­ko­lo­gie, schla­gen.

Im Obduktionssaal wird die genaue Todesursache Verstorbener ermittelt
Bernd Ro­se­lieb
Im Ob­duk­ti­ons­saal wird die ge­naue To­de­s­ur­sa­che Ver­s­tor­be­ner er­mit­telt

Sen­cken­berg war der Ers­te

Ent­stan­den ist das In­sti­tut aus dem Thea­trum Ana­to­mi­cum von Jo­hann Chris­ti­an Sen­cken­berg am Eschen­hei­mer Turm. Tra­gi­scher­wei­se war sein Kör­per der ers­te, der ob­du­ziert wer­den muss­te. Bei ei­ner In­spek­ti­on der Bau­s­tel­le des neu­en Bür­ger­ho­spi­tals ver­lor er den Halt und stürz­te in die Tie­fe. Da zu­nächst die Ur­sa­che für sei­nen Tod un­klar war, wur­de un­ter­sucht, ob ne­ben den Schä­d­el­ver­let­zun­gen noch ei­ne an­de­re Ur­sa­che für sei­nen Tod vor­ge­le­gen hat­te. Das Er­geb­nis der Sek­ti­on durch die Stad­t­ärz­te Beh­rends, Kis­ner und Mül­ler zeig­te, dass der Tod des Stif­ters durch ei­ne Kopf­wun­de und ei­ne Hals­wir­bel­säu­len­frak­tur ver­ur­sacht wur­de.
Als ei­nes von meh­re­ren In­sti­tu­ten der Dr. Sen­cken­ber­gi­schen Stif­tung ging das In­sti­tut für Pa­tho­lo­gie 1914 in die Grün­dung der Jo­hann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si­tät ein und ist heu­te auf dem Cam­pus Nie­der­rad im Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kum zu fin­den.

Sch­nell­schnit­te in 20 Mi­nu­ten

Heu­te wer­den tau­sen­de von Präpa­ra­ten jähr­lich un­ter­sucht. Häu­fig ge­schieht dies, wäh­rend ein Ope­ra­ti­ons­team und na­tür­lich der be­trof­fe­ne Pa­ti­ent drin­gend auf das Er­geb­nis war­ten.

„Mit die­sen Sch­nell­schnit­ten lie­fern wir inn­er­halb von 20 Mi­nu­ten Er­geb­nis­se über die Be­schaf­fen­heit des Ge­we­be­s“, er­läu­tert Hans­mann, „Das ge­schieht oft und wird nicht nur für das Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kum, son­dern auch für ver­schie­de­ne an­de­re Häu­ser wie et­wa das Bür­ger­ho­spi­tal ge­leis­tet.“ Ins­ge­s­amt wer­den täg­lich 600 bis 900 Präpa­ra­te un­ter­sucht und Be­fun­de an die Ein­rei­cher zu­rück­ge­ge­ben.

Prof. Dr. Dr. h.c. Martin-Leo Hansmann; mit seinem Team werden täglich 600 bis 900 Präparate untersucht
Bernd Ro­se­lieb
Prof. Dr. Dr. h.c. Mar­tin-Leo Hans­mann; mit sei­nem Team
wer­den täg­lich 600 bis 900 Präpa­ra­te un­ter­sucht

Vie­le die­ser bös­ar­ti­gen Ge­we­be kön­nen in ei­ner Tu­mor­da­ten­bank auf­be­wahrt und für sch­nel­le­re Er­kennt­nis­se ge­nutzt wer­den. „Na­tür­lich sind wir auch für die Ob­duk­ti­on Ver­s­tor­be­ner zu­stän­di­g“, er­in­nert Prof. Hans­mann an das haupt­säch­li­che Bild, das in der Öf­f­ent­lich­keit vom Pa­tho­lo­gen gepf­legt wird. „In un­se­rem Ob­duk­ti­ons­raum wer­den Pa­ti­en­ten un­ter­sucht, die im Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kum ver­s­tor­ben sind. Die­se wer­den dann im Kühl­raum in Schub­fächern auf­be­wahrt, die es na­tür­lich auch in un­se­rem In­sti­tut für Pa­tho­lo­gie gibt.“

Ganz be­son­ders liegt ihm der Um­gang mit Fö­ten am Her­zen. „Wir sor­gen da­für, dass al­le ver­s­tor­be­nen Un­ge­bo­re­nen wür­dig be­stat­tet wer­den. Da wa­ren wir mit die ers­ten, die das ge­tan ha­ben.“ Ins­ge­s­amt aber be­stimmt die Ar­beit mit den le­ben­den Pa­ti­en­ten sei­ne Ar­beit. Den jähr­lich et­wa 100 Ob­duk­tio­nen von To­ten ste­hen zir­ka 32 000 Un­ter­su­chun­gen von Ge­we­be Le­ben­der ge­gen­über. Ei­ne ho­he Zahl, die na­tür­lich her­vor­ra­gen­de Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­bil­dung der 300 Stu­den­ten am Uni­ver­si­täts­k­li­ni­kum bie­tet, die in der Pa­tho­lo­gie aus­ge­bil­det wer­den.

„Zu uns kom­men Stu­die­ren­de der Me­di­zin und der Zahn­me­di­zin.“ Die­sen Stu­den­ten will Prof. Hans­mann erst­klas­si­ge Be­din­gun­gen lie­fern. Hier liegt sei­ne gro­ße Sor­ge. „Im welt­wei­ten Ver­g­leich sind wir sch­lecht aus­ge­stat­tet. Un­se­re Kon­kur­renz sitzt in Was­hing­ton und in Shang­hai, nicht in Mar­burg oder Gie­ßen. Es kann nicht in un­se­rem Sin­ne sein, wenn die ta­len­tier­ten jun­gen Leu­te für ei­ne her­vor­ra­gen­de Aus­bil­dung bei­spiels­wei­se in die USA wech­seln müs­sen.“

Mehr neue Er­kennt­nis­se nö­t­ig

Au­ßer­dem, so Prof. Hans­mann, ge­hört zu die­ser welt­wei­ten Ex­per­ti­se auch un­be­dingt die Schaf­fung ei­ge­ner neu­er Er­kennt­nis­se. „Wir brau­chen drin­gend die Un­ter­stüt­zung, um jähr­lich 15 bis 20 re­le­van­te neue Er­geb­nis­se in un­se­rer For­schung er­zie­len zu kön­nen. Den­n“, ist sich Hans­mann si­cher, „die Wei­ter­ent­wick­lung der Leis­tun­gen für die Pa­ti­en­ten geht nur über die Fort­schrit­te in der For­schung und der Wis­sen­schaft.“ Da­für wünsch­te er sich ein brei­te­res Be­wusst­sein auch in der Be­völ­ke­rung. Erst wenn die Ge­sell­schaft ins­ge­s­amt die Not­wen­dig­keit der Grund­la­gen­ar­beit in der Wis­sen­schaft für das un­mit­tel­ba­re Wohl der Men­schen se­he, wür­de sie grö­ße­re In­ves­ti­tio­nen in die­sen Sek­to­ren un­ter­stüt­zen. Es müs­se mehr An­er­ken­nung für den Uni­ver­si­täts­stand­ort Deutsch­land er­fol­gen und so auch mehr Be­geis­te­rung für die dort ge­leis­te­te Ar­beit ver­mit­telt wer­den.

„Die jun­gen Leu­te, die hier bei uns ar­bei­ten, sind be­geis­tert von dem, was sie tun. Wir ha­ben ei­ne emi­nent wich­ti­ge, aber auch ei­ne großar­ti­ge Auf­ga­be je­den Tag zu be­wäl­ti­gen“, freut sich Prof. Hans­mann und geht mit gu­tem Bei­spiel voran. „Hier geht es in je­dem ein­zel­nen der vie­len tau­send Fäl­le um das Le­ben ei­nes Pa­ti­en­ten. Dem kön­nen wir hel­fen, und das ma­che ich sehr ger­ne. Na­tür­lich ver­spü­ren wir auch ei­nen im­men­sen Druck, doch wir kön­nen viel Po­si­ti­ves tun. Der Sinn da­rin ist, Men­schen zu hel­fen, da­rin se­he ich mei­ne Er­fül­lung. Es gibt kei­ne nor­ma­len Büro­zei­ten, man wird sehr ge­for­dert von Pa­ti­en­ten und Stu­den­ten, von an­de­ren Wis­sen­schaft­lern und der Kon­kur­renz und des­halb lie­be ich mei­nen Be­ruf. Ich will nichts an­de­res sein als Pa­tho­lo­ge.“